Schule Weene

Über die Anfänge des Schulwesens in Weene, das zum Ort Ostersander gehört, sind wohl keine geschichtlichen Quellen vorhanden. Erst nach der Reformation wurde in Ostfriesland dem Schulwesen eine größere Bedeutung beigemessen. Bis dahin bestanden in unserer Heimat lediglich nur wenige Kloster- oder Bürgerschulen.

Im Jahre 1530 ordnete Graf Enno II. die Gründung von Schulen in seinem Lande an. Gräfin Anna führte 1545 die Schulpflicht ein. Sie regelte auch die Besetzung der Lehrerstellen und das Entgelt der Lehrkräfte. Alles aber entwickelte sich unter größten Schwierigkeiten und es hat Jahrhunderte gedauert, bis ein planmäßiger, regelmäßiger und von ausgebildeten Lehrern getragener Unterricht durchgeführt werden konnte.

Von großer Bedeutung für die Entwicklung und Gestaltung des Schulwesens war die Tatsache, daß das Fürstenhaus die Aufsicht über die Schulen der Kirche und den Pastoren übertrug. Der Ortspastor wurde der Lokalschulinspektor und der Superintendent in der Regel der Kreisschulinspektor. Das letztere Amt ist vergleichbar mit dem des Kreisschulrates in unserer Zeit. Diesen Personen gegenüber waren also Schule und Lehrer verantwortlich. Es ist nicht verwunderlich, daß in den alten Dörfern Kirche und Schule in unmittelbarer Nachbarschaft standen. Als Beispiele seiwen genannt: Weene, Holtrop, Wiesens Bangstede, Westerende. So war schon von der räumlichen Nähe her die geistliche Schulaufsicht bestens gewährleistet. Der Lehrstoff dieser Schulen wurde weitgehend von der Kirche bestimmt. Religion war das Hauptfach. Lesen und Schreiben dienten in erster Linie diesem Fach. Hinzu kam dann noch das Fach Rechnen. Die sogenannten Sachfächer wurden erst viel später in die Lehrpläne aufgenommen.

Im Kirchspiel Weene gab es zunächst nur eine einzige Schule. Alle Kinder aus Ostersander, Westersander und Schirum besuchten diese Schule. Zwar wurde immer wieder versucht, in Schirum und Westersander, Nebenschulen einzurichten, aber das wurde unterbunden.

Als am Rande des Kirchspiels Weene die neuen Fehne entstanden (1637 Lübbertsfehn und 1639 Hüllenerfehn), waren die Kinder dieser Fehne zunächst verpflichtet, die Schule in Weene zu besuchen. Es ist zu verstehen, daß auf Grund der riesigen Entfernungen zur Schule die Schulpflicht häufig verletzt wurde. Was auch schon in den schulnahen Gemeinden oft genug geschah. Bedenken wir dabei auch, daß die Kinder in damaliger Zeit – vielleicht notgedrungen – regelmäßig zu den Arbeiten im Haus, Acker. Feld und Wiese herangezogen wurden. Das Viehhüten z.B. war immer eine Aufgabe der Kinder.

Mit dem Wachsen der Gemeinden Lübbertsfehn, Schirum und Westersander bzw. Hüllenerfehn und der Verbesserung der Lebensverhältnisse der Kolonisten verstärkte sich der verständliche Wunsch, eine eigene Schule im Ort zu haben. Doch bis dahin war es ein langer, beschwerlicher Weg.


Heinrich Drees,
der im Jahre 1938 auf Grund seiner Nachforschungen im Staatsarchiv Aurich einen Bericht
Aus der Geschichte des Schulwesens zu Weeneveröffentlichte, schreibt dort:

Die im Staatsarchiv zu Aurich aufbewahrten Akten über das Schulwesen zu Weene bei Aurich reichen bis zum Jahr 1684 zurück. Damals amtierte dort als Lehrer und Küster ein gewisser Anton Cramer …“ Im Jahre 1684 erhob Cramer begründeten Einspruch gegen die Nebenschule zu Schirum, da sie ihm seine bescheidenen Einkünfte empfindlich schmälerte. Unter der Amtszeit des Lehrers Anton Cramer bekam das Kirchspiel Weene eine Orgel. Das Organistenamt sollte mit dem des Schulmeisters und Küsters verbunden werden. Weil aber der Lehrer Cramer die Orgel nicht spielen konnte, sollte er durch eine andere Kraft ersetzt werden. Cramer scheint sich damit abgefunden zu haben; denn die Akten vermelden nichts über etwaige Einsprüche des abgesetzten Lehrers der vielleicht an anderer Stelle ein Lehreramt angenommen, oder auf´s Altenteil (in den Ruhestand) gegangen ist.

Die Gemeinde wählte den Lehrer Johann Gerdes Baumfalk, der aus Zetel in Oldenburg gebürtig war. Nach seinen Angaben wurde er 1665 geboren. Johann Gerdes Baumfalk war ein wahrer Meister der Orgel. Bei seinen 1689 erfolgten Amtsantritt verpflichtete er die Einwohner des großen Kirchspiels auf das Zugeständnis während seiner Amtszeit in Weene oder Schirum keine Nebenschule einrichten zu wollen. Ein von ihm über diese Angelegenheiten verfaßtes Schriftstück war von allen Interessenten unterschrieben und beim Generalsuperintendanten in Aurich als „Originalkontrakt“ aufbewahrt worden. Außerdem sollte ihm das übliche Schulgeld von einem jeden Schulkind im Kirchspiel gezahlt werden, was bei der großen Zahl der Schulkinder in den volkreichen Gemeinden des Kirchspiels eine beträchtliche Summe ausmachte. Zudem erhielt Baumfalk für die Wahrnehmung des Organistendienstes vierzig Reichstaler Rente.

Über dies ist ehrlich versprochen, was an Hochzeiten und so weiter vorfällt, soll der Organist machen.
Dies will sagen, dass er an Familienfesten und bei Festen allgemeiner Art zum Tanze aufspielen durfte, ohne befürchten zu müssen, dass ihm hierin ein Fremder Abbruch tun könnte. Gerade dieses Privileg hat nachher manchen Anstoß zum Ärgernis gegeben, weil die „musikalische Nebenbeschäftigung“ dem Baumfalk große Reichtümer und damit viele Neider brachte ….

Trotz dieser feierlichen Abmachung wurden bald hernach auf den Dörfern des großen Kirchspiels Nebenschulen errichtet. Denn die Wege nach der Hauptschule waren zu weit, erst recht für die Kinder der Neusiedler in der Heide und am Rande des Moores (z.B. Hüllen, Lübbertsfehn, u. a.). Als Baumfalk von dem Bestehen dieser Nebenschulen erfuhr, erhob er Einspruch und berief sich auf sein verbrieftes Recht. Er verlangte die Auflösung sämtlicher Nebenschulen. Von dieser Stunde an hatte er im Kirchspiel viele Feinde, zumal das Konsatorium auf seiner Seite stand. Recht erbost waren die Einwohner zu Schirum, die damals (1705) bereits seit dreißig Jahren eine Nebenschule gehabt hatten, wenn auch meist mit Unterbrechungen. Sie suchten den Schulmeister durch gehässige Verdächtigungen bei der Behörde anzuschwärzen und stellten den vielen Einnahmen des Schulmeisters ihre angebliche Armut gegenüber. Nach ihren sicherlich übertriebenen Schätzungen verdiente ihr Schulmeister, der außer der Orgel auch Flöte und Geige zu spielen verstand, allein auf den vielen Festlichkeiten 1.000,- Gulden nebenbei und hatte davon großen Landbesitz erworben.
Dagegen behaupteten sie von sich:
Unsere Kinder müssen ohne Brot zur Schule. Zu Hause bekommen sie nur Kohl und ein wenig geringe Löffelspeise.“
Da die Beschwerdeführer mit ihren angaben einen bestimmten Zweck erreichen wollten, sind ihre Angaben nicht als zuverlässig anzusehen. Das mochte sich auch das Kuratorium gedacht haben, als es den Beschwerdeführern mitteilen ließ, es hätte keinen Grund zum Einschreiten gegen den Lehrer gefunden. Im Gegenteil hatten
Pastor Conerus und viele Einwohner bezeugt, daß der Lehrer Baumfalk ein fleißiger und strebsamer Mann wäre und sie über seine Amtsführung nicht das Geringste zu klagen hätten. Johann Gerdes Baumfalk ist am 1. März 1736 zu Weene verstorben.

Heinrich Habbo Herlyn schreibt in einer Abhandlung „Schulmeister als Wilddieb?“ (Ostfriesische Nachrichten, November 1979): …. Er (Baumfalk) legte sich zwar nicht mit der Geistlichkeit an, doch wurde er auf andere Art „Aktenkundig“. Er wurde der Wilddieberei angeschuldigt, die landesherrlichen Jagdregale verletzt zu haben. Nachweisen konnte man ihm nichts. Die bei ihm vorgefundene Jagdflinte – so seine Aussage – habe er zum Schutz gegen „Schelme und Diebe“ angeschafft. Im Jagdrevier waren Selbstschußfallen entdeckt worden, doch bestritt Baumfalk erfolgreich diese angelegt zu haben.
Schwierigkeiten bereiteten ihm auch seine Neigung zum „scherpe Drank“, die in dem Umstand eine gewisse Förderung fand, daß seine Ehefrau „aus Not wegen zu geringen Einkommens“ im benachbarten Schirum einen Hökerladen, verbunden mit einer mehr oder minder geduldeten „Maatjetapperel“betrieb. Die Mißlichkeiten wurden erst behoben, als die Gemeinde sich entschloß, ihrem Schulmeister eine höhere Besoldung zu gewähren.
Was das Einkommen angeht, widersprechen sich die Angaben in den Berichten von Drees und Herlyn. Wer hat recht?
Eines ist aber sicher: Die Abhängigkeit des Lehrers in damaliger Zeit von den jeweiligen Verhältnissen, auch die Abhängigkeit von entscheidenden  Peronen führte nicht selten zu schwierigen, auch unliebsamen Situationen, in denen der Lehrer meistens den Kürzeren zog.

Etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts war Johann Jakob Albers Lehrer in Weene.
Auch er war zugleich Küster und Organist. Zwischen ihm und
Pastor Coners, der üblicherweise auch Schulinspektor war, kam es wiederholt zu Streitigkeiten, an denen beide nicht ganz unschuldig gewesen sein sollen. Coners hatte den Lehrer einige Male ernstlich verwarnt, weil er auf Hochzeiten aufspielte und immer wieder dem Alkohol zusprach. Als er eines Tages seines Amtes enthoben wurde, bedeutete das für seine Familie Armut und Elend, Hunger und Not.
Die Lehrersfrau
Anke war über die Entlassung ihres Mannes sehr erbost und versuchte auf ihre Art Rache zu nehmen. Als der neue Lehrer sich der Gemeinde vorstellte und in der Kirche vorsingen mußte, wie es damals üblich war, versuchte Anke, diesen durch Schreien und Plärren in seinem Gesangsvortrag zu stören. Darüber war die Gemeinde äußerst böse und erreichte, daßMesters Anke“ für drei Stunden ins Halseisen gesteckt wurde. Wahrhaftig, eine bittere Strafe! Übrigends soll Meesters Anke die letzte Person gewesen sein, die im Halseisen an der Weener Kirchenmauer dem Spott der Einwohner ausgesetzt wurde.

In der Schulchronik der Volksschule Weene lesen wir, was der damalige Lehrer Hermann Heinrich Lichtsinn zur Schulgeschichte schrieb:

Etwa bis zum Jahre 1834 war die Schule eine einklassige. Von da bis zum 1. Mai 1881 war die Schule in soweit zweiteilig, als bis zum Neubau 1858 die Unterstufe durch einen Gehilfen im selbigen Lokal unterrichtet wurde; nach 1865 aber in zwei Lokalen bis zum 1. Mai 1881.
Im Jahre 1881, und zwar am 1. April, wurde eine zweite Lehrerstelle errichtet und Ostern 1889 wurde die Schule eine dreiklassige mit 2 Lehrern.

Das alte Schulgebäude wurde im Jahre 1858 abgebrochen und auf derselben Stelle eine zweiklassige Schule wieder erbaut. Die erste Klasse befindet sich an der Ostseite.“

Seit dem 1.12.1920 unterrichteten in Weene drei Lehrer in zwei Klassenräumen. Der Schulvorstand kaufte 1936 ein Grundstück südlich des „Kirchengehölzes“. Hier konnte dann der 3. Klassenraum errichtet werden. Die Raumnot war damit vorläufig behoben.

Nach den schweren, auch für die Schüler und Lehrer bösen Jahre des 2. Weltkrieges und der ersten Nachkriegszeit, entwickelten sich nach und nach im Zuge des allgemeinen Aufbaus die Pläne für die Neugestaltung des Schulwesens in Weene.
Nachdem der Plan, auf dem Gelände südlich des Kirchengehölzes den 1937 errichteten Neubau zu einer vierklassigen Schule zu erweitern aufgegeben werden mußte, da die neue Schulkonzeption in den Vordergrund traten, führten langwierige, intensive Planungen zum Bau der 8-klassigen Dörfergemeinschaftsschule auf dem Grundstück, das von dem Bauern
Hinrich Saathoff, Weene, erworben wurde. Die Grundsteinlegung erfolgte 1972, die Fertigstellung und Einweihung der glücklichen Schulgemeinde am 7.2.1974.
Aber in unserer kurzlebigen Zeit konnte die segensreiche Arbeit in dieser neuen Schulform -1. bis 9. Schuljahr wurden hier unterrichtet – nur bis zum Jahre 1975 geleistet werden. Dann wurde die Schule in Weene Grundschule. Schon von 1971 an wurden die 5. Schuljahre in Ihlowerfehn unterrichtet. Das letzte 9. Schuljahr wurde 1975 in Weene entlassen.

 

Lehrkräfte an der Volksschule Weene

1. Schulleiter:


Von

 Bis

Name

Vorher

Versetzt nach

1689

1689

Cramer, Anton

 

 

 

1736

Baumfalk, Johann Gerdes

Zetel

verstorben

 

1.5.1881

Friesenborg

 

Ruhestand

1.10.1881

1.7.1882

Saathoff

Großefehn

Backemoor

15.10.1882

1.11.1913

Lichtsinn, Hermann*

Rhaude

Ruhestand

1.1.1914

1.10.1936

Backer, Franz

Timmel

Ruhestand

1.10.1936

31.3.1949

Heyen, Heye

Wallinghsn

Ruhestand

1.4.1949

30.9.1960

Schwede, Wilhelm

Weene

Ruhestand

1.10.1960

 

Petersen, Hans-Claus

Upleward

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Lehrer:

 

 Von

 Bis

Name

Vorher

Versetzt nach

1.4.1881

1.4.1882

Lamberti

Kleinheide

 

1.4.1882

1.1,1885

De Fries, Friedrich

 

Haxtum

1.2.1885

1.5.1886

Sievers,

Hollen

Leerhafe

1.5.1886

1.4.1888

Behrens, Theodor

 

Westeraccum

1.6.1888

1.1.1890

Siebert, Emil

Sachsen

 

1.4.1890

1.10.1892

Heinken

 

Schirumleegmoor

1.10.1892

1.10.1897

Schuster, H.

 

 

1.1.1898

1.7.1902

Onnen, H.

 

Norden

1.7.1902

1.12.1903

Stephan

 

 

1.12.1903

1.10.1904

Gils

 

 

1.10.1904

1.10.1905

Turnhagen

 

 

1.10.1905

1.10.1907

Meyer

 

 

1.10.1907

1.10.1909

Behrens, Wilhelm

 

OS Leer

1.10.1910

1.4.1911

Witte, Rudolf

 

 

1.4.1911

1.4.1914

Rahmann, Folkert

 

Gefallen

1.5.1914

1.7.1924

Henning, Louis

 

Burhafe

1.12.1920

31.3.1949

Schwede, Wilhelm

Bromberg

Weene

1.7.1924

15.10.1925

Schicketanz, Herbert

Aurich

Dietrichsfeld

15.10.1925

1.7.1927

Buss, Arnold

Aurich

Westersander

1.7.1927

1.10.1935

Busse, Ernst

 

Uslar

1.10.1935

1.7.1937

Brahms, Gerhard

Hannover

 

1.7.1937

1.11.1937

Krome, Karl

Dortmund

gefallen

1.1.1938

1.11.1938

Smoor, Hindrik

Dortmund

?

1.11.1938

15.11.1938

Bohlen, Karl

Lauenburg

?

15.11.1938

1.4.1939

Picksack, Hermann

Kiel

?

 

 

Brandes, Ilse

Hannover

?

1.1.1941

15.2.1942

Bischoff, Hinrich

Lauenburg

gefallen

 

 

 

 

 

1.9,1944

?

Neenaber, Hertha

Frankfurt/Oder

?

20.8.1945

24.4.1946

Meyer, Anna

 

 

 

 

 

 

 

15.6.1947

5.7.1947

Schütte, Ww.

?

Wiesens

7.7.1947

?

Wienß, Bruno

Langefeld

Ruhestand

1.4.1949

31.3.1954

Facke, Rudolf

?

Ruhestand

1.8.1949

1.10.1956

Harms, Arnold

P.H. Oldenburg

Ostgroßefehn

1.8.1954

?

Janßen, Wilhelm

Simonswolde

Ruhestand

1.5.1957

31.3.1958

Harms, Heinz

P.H. Braunschweig

Barrien

1.4.1958

31.3.1959

Schaeffer, Gudrun

P.H. Braunschweig

Emden

1.4.1959

1.6.1961

Sanders, Friederun

Spetzerfehn

-  entlassen

1.8.1961

 

Böhmer, Daje

P.H. Osnabrück

Simonswolde

1.4.1962

 

Neumann, Horst

Broeckzettelerfehn